Konzerte des Bürgerhausorchester Collegium musicum Velbert in der Kultursaison 2018/2019

Sonntag, 11. November 2018
18:00 Uhr Bürgerhaus Langenberg
Bürgerhausorchester Collegium musicum Velbert

“con fuoco”

 
Francesco Antonio ROSETTI, Sinfonie Nr. 25 B-Dur
Franz Anton HOFFMEISTER, Konzert für Viola und Orchester D-Dur
Luigi BOCCHERINI, Sinfonie d-Moll op. 12, Nr. 4 „La Casa del Diavolo“
Josef HAYDN, Sinfonie Nr. 59 A-Dur “Feuersinfonie”
 
Eine klassische Tempoangabe in der Musik, wie z. B. „Allegro“,  kann durch eine hinzugefügte Anmerkung zur Vortragsbezeichnung erweitert werden, wie z. B. „Allegro con fuoco“. Dies bedeutet, dass das Musikstück schnell und „mit Feuer“ gespielt werden soll - und „Feuer“ ist das Thema dieses Konzertprogramms.

So wurde in der zeitgenössischen Kritik der 1. Satz der Sinfonie Nr. 25 von F. A. Rosetti als „feurig“ bezeichnet. Diese Sinfonie ist sein populärstes Werk. Anschließend spielt Odysseas Lavaris das um 1800 entstandene Viola-Konzert von F. A. Hoffmeister. Das Werk gilt als „brenzlige“ Herausforderung für jeden jungen Violisten.

Bei anderen Werken wird das Thema „Feuer“ inhaltlich verarbeitet. So hat L. Boccherini in seiner Sinfonie d-Moll die Legende vom großen Frauen-Verführer Don Juan behandelt und dem Werk den Titel „La Casa del Diavolo“ („Das Haus des Teufels“) gegeben. Der Komponist verrät damit, wohin es am Ende mit Don Juan geht, nämlich hinab ins Höllenfeuer. Bei der Haydn-Sinfonie Nr. 59 aus dem Jahre 1768 weist schon der Titel „Feuersinfonie“ auf das Programmthema hin. Angeblich soll der Komponist das Werk für das Schauspiel „Die Feuersbrunst“ geschrieben haben, aber dieses Stück wurde erst 1778 uraufgeführt. Warum die Sinfonie in den Katalogen von Aloys Fuchs im Jahre 1839 diesen Beinamen erhielt, bleibt unklar. Aber ihr dramatisches musikalisches Geschehen ist durchaus erfüllt von mitreißendem Feuer.

Solist:        Odysseas Lavaris (Viola)
Dirigent:    Claus Tinnes
 


Sonntag, 24. März 2019
18:00 Uhr EventKirche Langenberg
Bürgerhausorchester Collegium musicum Velbert

“Klangreise”


SPANIEN: Georg Philipp Telemann, „Don Quichotte-Suite“ für Streichorchester
FINNLAND: Jean Sibelius, Impromptu für Streichorchester
ÖSTERREICH: Johann Albrechtsberger, Konzert für Altposaune und Streichorchester B-Dur
ITALIEN: Francesco Durante, Concerto Nr. 2 g-Moll für Streichorchester
USA: Leonard Bernstein, Elegy for Mippy II für Posaune
ENGLAND: Georg Friedrich Händel, Concerto grosso A-Dur, op. 6 Nr. 11

Die italienische Barockmusik beispielsweise besitzt andere typische Merkmale als die deutsche. Es war deshalb interessant, ins Ausland zu reisen und dort musikalische Werke anzuhören. Umgekehrt haben deutsche Komponisten Stücke geschrieben, die das heimische Publikum mit dem vertraut machen sollten, was sie für den charakteristischen Klang des betreffenden Auslandes hielten. Beide Formen von „Auslands-Werken“ sind in diesem Konzertprogramm vertreten. G. Ph. Telemann schrieb 1761 die Oper „Don Quichotte auf der Hochzeit des Comancho“ und vertonte damit eine Szene aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts veröffentlichten Roman von Miguel de Cervantes. Die gleichnamige Suite vereint stilisierte Tanzsätze mit „spanischem“ Charakter.

Christopher Houlding, Professor für Posaune und Bläserensemble an der Folkwang Universität der Künste, bringt mit dem Posaunen-Konzert von J. Albrechtsberger österreichische Stilelemente ins Programm. England und Italien sind mit einem barocken bzw. einem frühklassischen Beitrag vertreten. Das Impromptu für Streichorchester des finnischen Komponisten J. Sibelius (1865-1957) war lange Zeit unbekannt - die Erstausgabe erschien erst 1986 - und sorgt in diesem Programm dafür, dass sich die Klangreise auch als eine musikalische Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte erweist. Das Posaunen-Solo von Leonard Bernstein ist 1948 entstanden in Gedenken an Mippy II, den Mischlingshund seines Bruders - dieses kurze Stück steuert zeitgenössische Klänge zum Reiseprogramm bei.

Solist:        Prof. Christopher Houlding (Posaune)
Dirigent:    Claus Tinnes

Bürgerhaus Orchester Collegium musicum Velbert

Traditionell gibt es in Velbert und in Langenberg seit weit mehr als einem Jahrhundert Orchesteraktivitäten von Musikliebhabern. In Velbert war es im Jahre 1880, als der „Musikverein 1880“ gegründet wurde. Nachfolger dieses Ensembles war von 1908 bis 1928 der „Orchester Verein Velbert“ und anschließend bis 1942 der „Instrumental Verein Velbert“. Von 1942 bis Januar 1954 trat die „Städtische Orchester Vereinigung Velbert“ zwei- bis dreimal pro Jahr mit Konzertprogrammen an die Velberter Öffentlichkeit.
 
Professioneller wurde die musikalische Arbeit unter der Direktion des Berufsmusikers Dr. Hero Folkerts, der seit April 1954 auch mit dem (Wieder-)Aufbau der Jugendmusikschule beauftragt war. Folkerts regte im Herbst 1954 an, mit einigen Streichern der ehemaligen „Städtischen Orchester Vereinigung“ und einigen Lehrern der neu aufgebauten Musikschule ein Kammerorchester in reiner Streicherbesetzung unter dem Namen „Collegium musicum Velbert“ ins Leben zu rufen. Im Mai 1955 fand das erste Konzert des von ihm zusammengestellten Orchesters statt. Den kontinuierlichen Aufbau setzte ab 1959 für mehr als 20 Jahre Rudolf Flicker fort, der ebenfalls gleichzeitig Leiter der Musikschule Velbert war. Nachfolger als Dirigent wurde für mehr als fünf Jahre Klaus Georg Hanf, bevor Heinz Jürgen Küpper die Leitung der Jugendmusikschule und des Collegium musicum (bis zum Herbst 1986) übernahm. Ihm folgte Klaus Heyens, bis heute stellvertretender Schulleiter der Musikschule, als Dirigent nach.
 
In Langenberg existierte mehr als 150 Jahre lang ein gemischter Chor, der sich ab 1919 „Bürgerhaus-Chor“ nannte. Er hat sich gerade im Jahr 2013 aufgelöst. Im Jahre 1929 gründete sein damaliger Dirigent, Musikdirektor Gustav Mombaur, das „Streichorchester des Bürgerhaus-Chores“, um neben der Chor-Arbeit auch das instrumentale Musizieren im lokalen Bereich zu fördern. Seither sind die Konzerte des Bürgerhaus-Orchesters - lange Jahre ebenfalls unter der Leitung von Rudolf Flicker - fester Bestandteil des Kulturprogramms in Langenberg gewesen.
 
Schon vor der Kommunalreform von 1975, als die Nachbarstädte Langenberg, Neviges und Velbert zusammengeschlossen wurden, kamen sich die beiden Orchester durch gegenseitiges Aushelfen näher. Seit Herbst 1991 werden gemeinsame Konzerte gestaltet.
 
Viel Anteil am Aufbau eines gemeinsamen Klangkörpers bis zum Frühjahr 1998 hatte Klaus Heyens als Dirigent des Bürgerhausorchesters Collegium musicum Velbert. Seit 1998 ist Claus Tinnes nun der musikalische Leiter des Orchesters, das im Jahresverlauf neben den beiden „städtischen“ Konzerten im März und November auch sommerliche Open-Air-Konzerte (meist mit jungen Solisten der Musi&Kunstschule Velbert) durchführt sowie bei Chor- und Kirchenkonzerten mitwirkt.
 
Anhand der Geschichte des Orchesters und seiner Dirigenten wird deutlich, dass sich das Bürgerhausorchester Collegium musicum Velbert als selbstständiges Ensemble versteht, das regelmäßige Aufgaben im städtischen Kulturleben wahrnimmt und gleichzeitig in enger Kooperation mit der Musik&Kunstschule Velbert ein Forum für fortgeschrittene Schülerinnen und Schüler bietet, in dem sich junge und ältere Erwachsene zusammenfinden, um sich - oft lebensbegleitend - dem Liebhabermusizieren in einem Streichorchester zu widmen.

Dirigent:          Claus Tinnes